DEUTSCHER KABARETT-PREIS 1998

Der Deutsche Kabarett-Preis 1998,

gestiftet von der Stadt Nürnberg, verliehen vom nürnberger burgtheater,

dotiert mit 6000 DM

geht an den Wiener Kabarettisten und Schauspieler


LUKAS RESETARITS


Lukas Resetarits ist ein Star in Österreich. In Deutschland nicht wirklich - oder doch?
Erwähnt man den TV-Komissar „Kottan“ und fügt „ermittelt“ hinzu, glänzen die Augen vieler Fans wissend.

Doch Lukas Resetarits ist mehr als Kottan.

 

  Geboren 1947 in Stinatz, einer kroatischen Gemeinde im Südburgenland verfolgt der Ex-Philosophie- und Psychologiestudent zunächst Karrieren als Bauhilfsarbeiter, Flugzeugabfertiger und Rockmusiker. 1977 erfindet Resetarits sein erstes „Allein-Kabarett“ mit dem Titel „Rechts-Mitte-Links“, nichtahnend, daß er damit das politische Kabarett in Österreich neu etablieren würde und den Weg bahnen würde für die zweite große Blütezeit des Wiener Kabaretts. Resetarits verlieh dieser Bühnenform in den 80er Jahren eine neue, zeitgemäße Struktur und Relevanz und er erschloß dem Kabarett so, nichtzuletzt aufgrund seiner „Kottan“-Popularität, ein Publikum, dem das Kabarett bis dahin eher „wurscht“ war. Und da das geneigte Publikum nach eigenen Orten für die neuentdeckte Leidenschaft verlangte, fungierte Resetarits auch gleich noch als Initiator zur Schaffung einer Kabarett-Infrastruktur, von der die österreichische Kabarett-Szene noch heute profitiert.

  Auf einen wie Lukas Resetarits ist eben 100%ig Verlaß und er ist sympathisch stur dabei. Das gilt für die Form seiner Programme ebenso wie für seine politischen Überzeugungen und sein gesellschaftliches Engagement, das ihm die zweifelhafte Ehre einbrachte, auf den Drohlisten der Briefbombenattentäter zu stehen. Seine mittlerweile 18 Programme spiegeln stets kritisch die politischen und gesellschaftlichen Realitäten Österreichs wider. Lukas Resetarits mischt sich ein, gibt Denkanstöße und ergreift Partei für Minder-heiten. Die Situation der „Tschuschen“, der vom Balkan stammenden Ausländer, in Österreich ist ein fortwährendes Thema des Mannes, der selbst im Vielvölkereck der Republik geboren ist. Und Lukas Resetarits läßt sich nicht beirren. Kritikern seines formal scheinbar „altbackenen“ Nummernkabaretts entgegnet selbstironisch-souverän: „Wos woits, soll ich vielleicht Seiltanzen?“ Von den politisch Andersdenkenden läßt er sich nicht einschüchtern, lediglich ein bißchen realistischer ist er im Lauf der Jahre geworden. Gutgläubig sei er früher gewesen und zuversichtlich, wirklich etwas ändern zu können. Das sieht er heute naturgemäß ein bißerl anders.

  Aber dennoch hat er etwas verändert - vielleicht nicht all das, was er sich vor 20 Jahren erträumt hat - in jedem Fall jedoch hat Lukas Resetarits das österreichische Kabarett revolutioniert. Er verkörpert bis heute Österreichs verläßlichste Kabarett-Konstante. Ein gerader linker Kerl, der den Standpunkt der Vernunft im alltäglichen Wahnsinn verteidigt, ein wuchtiger und ehrlicher Kämpfer gegen herrschende Schweinereien. Lukas Resetarits agiert mit der Vitalität und Schlagfertigkeit einer volksnahen Sprache, als souveräner Schmähführer. Ein Schmähtandler aber ist er nie gewesen.

Seltenst in der Bundesrepublik Deutschland aufgetreten, zählt er ohne Zweifel zu den ganz Großen des deutschsprachigen Kabaretts.

21 Jahre Solokabarett, 51 Jahre Lukas Resetarits - was sind da schon 1000 Jahre Österreich?